AfD-Wähler unter der Lupe

n-tv hat über Forsa AfD-Wähler untersuchen lassen. Dabei fällt mir Folgendes auf:

1.).  Solche Umfragen sind grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen. Ich würde zum Beispiel auflegen, wenn Forsa bei mir anruft. Und viele andere AfD-Wähler sicher auch. Ich gehe aber davon aus, dass diese Umfrage seriös mathematisch normalisiert wurde.

2.). AfD-Wähler sind öfter ostdeutsch, männlich, pessimistischer als andere Wähler. Sie leben etwas öfter auf dem Land. Sie verdienen genau im Durchschnitt und arbeiten nicht vorwiegend im Niedriglohnbereich oder sind arbeitslos. Das alles entspricht meinen Erfahrungen. Ostdeutsche sind zudem im Durchschnitt weniger anfällig für Propaganda als Westdeutsche. Auch ist die Propaganda vor allen Dingen auf westdeutsche Mentalitäten zugeschnitten, da diese den Hauptteil der Wähler ausmachen.

3.). Sie sind öfter Arbeiter und Selbstständige. Bei Arbeitern leuchtet das sofort ein, die haben am meisten unter den negativen Auswirkungen der Massenzuwanderung zu leiden, leben in Wohngebieten, die inzwischen von Migranten dominiert werden, erleben Konflikte am eigenen Leibe und wurden von den linken Parteien regelrecht fallengelassen. Das sehe ich vor allem im Westen als bestimmend an. Wenn ich mit einfachen Leuten hier im Osten politische Gespräche führe, fallen mir immer wieder die vollkommene Illusionslosigkeit und ein hoher Pragmatismus auf. Die Erfahrungen der DDR sind auch in den jüngeren Generationen noch nicht vergessen.

Aber Selbstständige? Ich war auch selbstständig, also gehe ich zur Erklärung projektiv vor: der Konformitätsdruck ist bei der Selbstständigkeit am geringsten. Man hat keinen Chef und arbeitet direkt am Kunden. Das hat einerseits den Effekt, dass der soziale Druck gering ist und man sich nicht an die Meinungen von Kollegen oder Chefs anpassen muss. Außerdem sind Selbstständige öfter als durchschnittlich unabhängige Charaktere, sie lassen sich also nicht so leicht durch Mehrheitsmeinungen beeindrucken.

Der Effekt mit dem Konformitätsdruck geht so: Es wird die Illusion erzeugt, dass es eine bestimmte Massenmehrheitsmeinung gäbe. Das kann zutreffen, muss aber nicht. Es ist die Aufgabe der Propaganda, dies sicherzustellen. Und es ist nur menschlich, nicht ständig in einer gesundheitsschädlichen Dissonanz zu dieser Mehrheitsmeinung zu leben. So war es auch in der DDR: die Ideologie drang tief in den Kern der Gesellschaft ein durch Anpassung, nicht durch Überzeugung und tatsächliche Indoktrination.

Es ist einfacher, an das zu glauben, was einen nicht in Konflikt mit Vorgesetzten oder Kollegen bringt.

Insgesamt erscheint mir die Studie glaubwürdig. Die AfD hat durch die Ereignisse von Hanau Wähler verloren, auch das war zu erwarten. Propaganda wirkt, sonst gäbe es nicht so viel davon. Etwas bleibt immer hängen. Allerdings erwarte ich nicht, dass der Effekt länger anhält.

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