So isser nicht, der Ossi

Antwort an mein ehemaliges Parteimitglied Oswald Metzger, der auf „Tichys Einblick“ den gefühlt 376. Versuch startet, den autoritätshörigen und demokratiefremdelnden Ossi zu erklären:

Leider vertreten auch Sie das falsche Narrativ, dass die AfD rechtsradikal sei. Dabei vertritt sie nur Positionen, die die CDU um die Nuller Jahre noch für selbstverständlich hielt. Seit einigen Jahren haben wir aber einen flächendeckenden Siegeszug linken bis linksradikalen Denkens in der gesamten Republik, was dazu führt, dass diejenigen, die sich dem nicht unterwerfen, als rechts bis ultrarechts angesehen werden.

Lieber Herr Metzger, die Ostdeutschen denken einfach noch normal. Westliche Wohlstandsdekadenz ist ihnen fremd. Und sie wählen auch normal. Diese Normalität ist zum Beispiel bei mir seit 1950 in zwei Systemen definiert worden und wird nicht durch ein paar idealistische, globalistische Spinner, auch wenn sie noch so viel Unterstützung in den Medien haben, auf den Kopf gestellt.

Die AfD ist keine Bedrohung der Demokratie, sondern ihre letzte Bastion. Und das sage ich, der ich in den neunziger Jahren Mitglied der Grünen war.

Leser Artras ergänzt:

Der Grund für den Erfolg der AfD in den ehemaligen DDR-Gebieten jedenfalls ist nicht Abgehängtheit oder fehlendes Demokratieverständnis (das genaue Gegenteil ist wohl eher der Fall), sondern die Tatsache, daß man einerseits dort bereits reichlich Erfahrung mit linker Diktatur hat und daher die Parallelen zu heute – anders als der durchschnittliche „Wessi“ – nur zu gut erkennt und so gegen deren Tricks relativ immun geworden ist, zum anderen von den 68ern und deren Indoktrination weitgehend verschont blieb (zumindest länger als die „Wessis“). Der wirklich marxistische Teil Deutschlands war nämlich schon immer der Westen.

Und darum blüht in Mitteldeutschland auch nicht der Rechtsradikalismus, sondern ein gesundes und völlig normales Nationalempfinden, das bei vielen Westdeutschen – ganz gleich, ob sie sich nun neoliberal oder salonsozialistisch geben – nicht einmal mehr im Ansatz vorhanden ist. Daß die logischerweise im Nationalmasochismus mündende „Erinnerungskultur“ in der DDR in dieser Form nie stattfand, war da natürlich auch förderlich.

Das einzige was sich hier also paart, ist die westdeutsche Sehnsucht nach Weltenrettung und Selbstauslöschung mit der Rachsucht bestimmter Bevölkerungsteile (auch gerade im heutigen Osten) für 1989.

SO isser, der Ossi.

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