Die Hell- und die Dunkeldeutschen

Ein Leser schreibt im „Tagesspiegel“:

„Viele der ehemaligen DDR-Bürger haben sich praktisch freiwillig von einer aufgezwungenen (kommunistisch – diktatorischen) Gefangenschaft in die nächste (kapitalistisch – diktatorische) Gefangenschaft begeben. Kein Mitleid dafür von mir!“

Dies ist ein typischer Einwand westdeutscher Linker, hält aber einer Überprüfung nicht stand. Falsch ist es deshalb, weil man Markt nicht einfach abschaffen kann und er eben keine Diktatur, sondern ein Interessenausgleich ist. Probleme entstehen erst, wenn die Chancen der Teilnehmer zu ungleich sind. Das war bei der Vereinigung aber der Fall und viele ehemalige DDR-Bürger haben die Situation der Unterlegenheit in einem Markt mit voller Härte in vorher nie gekannter Form zu spüren bekommen. 

Der Markt existiert seit der Urgemeinschaft, er wird nur heute Kapitalismus genannt. Man kann ihn zähmen, ihn auszuhebeln, hat aber selbst in der DDR nicht funktioniert. Danach hat es einfach am Willen gefehlt, die Vereinigung auch menschlich erträglich zu gestalten. Man hielt es, aus Eigeninteresse, unterfüttert mit marktliberaler Ideologie, schlichtweg nicht für nötig. Stattdessen wurden Interessengruppen bedient und im Westen konnten viele im Osten investieren, denen heute der Osten gehört. Denn die Ostdeutschen hatten das Kapital nicht dazu, woher auch, und kreditwürdig waren sie erst recht nicht.

Zudem stürzte eine gesamte Generation, die mittlere nämlich um und über 40, um mehrere Stufen ab oder fiel ganz aus dem Arbeitsmarkt heraus. Die bezieht heute Minirenten, wählt AfD und demonstriert bei Pegida, interessanterweise hat diesen Aspekt noch keines der großen Meinungsforschungsinstitute untersucht.

In der Wendezeit passierte, was immer passiert: Bei allen gesellschaftlichen Umbrüchen gibt es Gruppen, die versuchen, von den Veränderungen zu profitieren. Wirtschaftlich war die Vereinigung ein Konjunkturprogramm für den Westen, bezahlt mit ungedeckten Schecks auf die Zukunft und vom gemeinen westdeutschen Steuerzahler. Die renovierten Häuser in ostdeutschen Innenstädten gehören heute mehrheitlich nicht Ostdeutschen. Politisch hat im Osten die PDS und später die Linke abgesahnt, die sich als Sachwalter ostdeutscher Interessen profilieren konnte.

Das aber konnte sie nicht durchhalten. Denn die Westlinke arbeitete daran, den Nationalstaat Deutschland („Nie wieder Deutschland“) gleich ganz abzuschaffen bzw. in der EU aufgehen zu lassen, wozu letztendlich die Ablehnung wirksamer Grenzen und die generelle Verhinderung von Abschiebungen dient.

Da hatte sie aber die Rechnung ohne die Ostdeutschen gemacht, die erst mal voll anerkannte Deutsche werden wollten und das bis heute immer noch nicht sind. Auch hatten sie mehrheitlich keinen Bock auf die Zustände, die sie in westdeutschen Großstädten sahen und auf neue Konkurrenz am eigenen, oft prekären Arbeitsplatz. Heimatverbunden und geerdet, wie sie sind,  konnten sie mit dem westlinks-urbanen Lebensgefühl und dem aggressiven Einbruch des Orients in deutsche Innenstädte nichts anfangen.

Wer für Schwarz-rot-gold 1989 seine Existenz oder gar sein Leben riskiert hatte, den schreckte nicht ab, als „rechts“ oder gar „Nazi“ verunglimpft zu werden: Solche Titulierungen fallen auf die Anschuldiger zurück.

Kennzeichnend dafür ist der Konflikt Kipping-Wagenknecht. Kipping siegte und die Linke verlor in Ostdeutschland ganze Regionen an die AfD, die, ganz demokratisch, dieses Wählerinteresse bedient.

Aus den zitierten Worten spricht die Verärgerung der westdeutschen Linken, dass ihr mit der Wiedervereinigung das vermeintlich bessere Deutschland von tumben Bananengabys (Titanic) und Dunkeldeutschen (Gauck) weggenommen wurde: die DDR. Darin wollte man zwar nicht leben, das wäre dann doch zu wenig Komfort gewesen, aber für moralisch besser hielt man es – und erst recht sich selbst – allemal. Diese biedermeierliche Hoffahrt hält bis heute im großstädtischen linksliberalen Milieu an.

Das hat der Osten, ländlicher und proletarischer als der Westen, erkannt und sich abgewandt, wofür er nun als „Dunkeldeutschland“ oder Schlimmeres verunglimpft wird. Das ist in höchstem Maße tragisch, denn die Linke ist drauf und dran, Deutschland als bedeutende Industrienation und Hort gesellschaftlichen Friedens tatsächlich abzuschaffen. Dazu werden immer mehr untaugliche Versatzstücke des gescheiterten Sozialismus aus der Mottenkiste geholt.

Was danach kommt, steht in den Sternen, wahrscheinlich ein konfliktträchtiges, islamisch dominiertes, mitteleuropäisches Siedlungsgebiet, zerrissen und unbedeutend. Ein einiges Europa wird es mit Sicherheit nicht sein.

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