Ich bin dick und ihr seid schuld

Heute schon die Kinnlade runtergeklappt? Weiße sind schuld, wenn Schwarze dick sind.

Wenn ich diese agressive Schreckschraube dort sehe, bekomme ich das Gefühl, dass tatsächlich die Intelligenz ungleich verteilt ist zwischen Schwarzen und Weißen. Offenbar fehlt einigen eine grundlegende Kulturtechnik: Die Verantwortlichkeit für das eigene Leben zu erkennen. Aber die nimmt einem keiner ab, weder bei der Alkoholkrankheit, noch beim Rauchen, noch beim Dicksein, noch bei mangelnder Bewegung.

Nein, heute kann keiner mehr behaupten, er wüsste nicht, dass Cola, Chips, Fastfood usw. ungesund sind und dick machen. Deshalb verkneife ich mir eben, an der Tankstelle einen Döner zu holen. Nein, ich bin nicht unbegrenzt diszipliniert – das schaffe ich nicht. Aber ich weiß, dass ich allein für mich verantwortlich bin.

Und eins ist auch Fakt: Es ist das Verhaltensmuster eines Vorschulkindes, mit dem Finger auf andere zeigen: „die sind schuld“, aber das eigene Verhalten nicht ändern zu wollen. Klar, das ist schwer, aber müssen deshalb andere schuld sein, als ob ein Anspruch auf ein leichtes Leben bestehe. Nein, der besteht nicht, Ende der Diskussion. Und ja, ich habe auch gerade wieder ein Kilo zugenommen. Ein einziger Tag Geburtstag feiern mit R. hat gereicht – Jojo. Aber das war es mir wert. Naja, habe ich eben ein paar Tage zu tun. Das ist mein Problem, ganz allein meins. Ich versuche, mein Gewicht unter Kontrolle zu halten, auch wenn das durch eine Hormonsupressionsbehandlung erschwert ist. Ich schaffe es nicht ganz, aber ich versuche es täglich.

Adipositas kann eine Krankheit sein, genauso wie Suchtkrankheiten und Antriebslosigkeit, die ausreichende Bewegung verhindert. Die Verantwortung für das eigene Leben nimmt aber einem trotzdem keiner ab. Wenn ich mir gerade FdH auferlege und schaue im Fernsehen einen Privatsender, die mich mit Schokoladenwerbung vollballert, schalte ich eben ab. So einfach. Da ist nicht der Sender schuld.

2 Kommentare zu „Ich bin dick und ihr seid schuld

  1. Erstmal noch herzlichen Glückwunsch nachträglich zum Geburtstag.

    Sobald (wird aber länger dauern als manche glauben) wieder Beifallsklatscher**innen in talk-shows zugelassen sind, muss diese arme, unverschuldet durch uns alle in schwere Kilonot geratene, Frau in unsere sämtlichen Quasselrunden eingeladen werden. Bei den heutigen Großbildschirmen dürfte es ja kein Problem mehr darstellen, und dreidimensional empfangen nur wenige.

    Für angemessene Entlohnung, Unterkunft,vor allem aber Verpflegung, zahlen wir dann endlich mal gerne unseren Zwangsbeitrag. Selbstverständlich gilt das auch für ihre „Jubelperserinnen“ als Begleitperonal. Die sind zwar überwiegend schlank, also scheint es doch mögliche Alternativen zu geben, ihrer Zustimmung zum gesagten tut dies aber keinen Abbruch.

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