„Ich mache Oma krank“ – über den Wahnsinn deutscher Bildungspolitik in Corona-Zeiten

Die deutsche Bildungsmisere beruht auf jahrzehntelangen falschen und ideologiegetriebenen Entscheidungen der zuständigen Bildungspolitiker in den Ländern. Aber was jetzt im Zuge der coronabedingten (oder angeblich durch Corona bedingten) Schulschließungen passiert, kommt noch obendrauf. Präsenzunterricht wurde großflächig durch Onlineunterricht ersetzt. Falls er denn stattfindet und funktioniert.

Onlineunterricht ist mit traditionellem Unterricht aber nicht zu vergleichen, er ist deutlich unterlegen. Zudem führt er dazu, dass die eigentliche Unterrichtszeit etwa auf die Hälfte sinkt, 40 % der Schüler haben weniger als zwei Stunden am Tag Unterricht. Und das wiegt umso mehr, je schlechter Kinder ohnehin lernen. Der Einbruch in der Bildung über jetzt schon ein gesamtes Jahr hat nicht nur für die bildugsmäßige Entwickung der Schüler, sondern auch für deren Psyche gravierende Folgen.

Als generelles Allheilmittel ist diese Art des Lernens nicht geeignet. Kein Bildungspolitiker kann das menschliche Gehirn neu erfinden. Es besteht in seinen Grundstrukturen und damit Grundeigenschaften seit Jahrtausenden unverändert. Und da es den „Nürnberger Trichter“ nun mal nicht gibt, bedeutet das auch, dass die Mechanismen, wie man Bildung erlangt, sich seit Jahrtausenden prinzipiell nicht geändert haben.

Je mehr der Schüler selbst mit unterschiedlichen Gehirnaktibitäten aktiv ist, von der optischen und akustischen Mustererkennung, der Sinnerfassung und Sprachverarbeitung im Cortex bis zur feinmotorischen Steuerung der Schrifthand im Rückenmark, desto nachhaltiger der Lernerfolg. Selber durcharbeiten, selber schreiben und rechnen, nicht nur lesen, ist der Königsweg zum Lernen. Bildung konsumiert man nicht, die erwirbt man aktiv. Auch die Wiederholung muss ihren Platz finden. Der Niedergang der Hausaufgaben ist da kontraproduktiv.

Passiver Konsum am Computer, am Laptop, am Tablett, bleibt wenig im Gedächtnis, hat bestenfalls unterstützende Wirkung. Schnell gegoogelt, schnell vergessen, das dürfte jedem geläufig sein. Selbst der vorprogrammierte Lernweg in einer App motiviert gut, garantiert aber nicht den Lernerfolg. Denn wenn ein scheinbar einfacher, aber notwendiger Schritt nicht verstanden wird, muss die App versagen. Oft genug geht dann der Schüler aber trotzdem weiter und die Verständniskette reißt ab. Der Schüler versucht es vielleicht noch einmal, es klappt aber wieder nicht. Ein Lehrer kann dann immer noch eingreifen.

Jetzt hat sich ein Kinderarzt, Chefarzt einer Neubrandenburger Klinik, zu den dringenden Fragen rund um Bildung und Corona geäußert. Er springt dabei den Lehrern gegen die Übergriffe aus der Bildungspolitik zur Seite und läßt ideologisierte Bildungspolitiker durch seine Fachkenntnis alt aussehen. Der Vortrag macht gerade Furore.

Ich habe bisher auch die Euphorie der Art „Laptops und Tablets in die Schulen, dann wird alles besser“ trotz meiner Technikaffinität nie unterstützt. Kleinere Klassen, mehr Lehrer, das bringt mehr als jede technische Aufrüstung. Und der gute alte Frontalunterricht ist immer noch aktuell. Punkt. Zumindest dann, wenn der Lehrer genügend Zeit hat, sich auch noch mit einzelnen Schülern zu beschäftigen. Gute Schüler zu unterrichten, ist leicht, je schwieriger der Schüler, umso wichtiger sind ein gutes pädagogisches Konzept und die Persönlichkeit des Lehrers. Dies ist notwendig, unabhängig von der verwendeten Technik. Im Gegenteil: zu viel Technik lenkt ab, Lernen findet im Kopf statt.

Genau in diese Kerbe schlägt Doktor Armbrust:

Im Silicon Valley hat man die Tafeln wieder rausgeholt.

Die Grundzüge optimaler Bildung sind neurophysiologisch bedingt und stehen seit Jahrtausenden fest. Das bedeutet: je mehr der Schüler selbst aktiv ist im Lernprozess, desto nachhaltiger. „Selber durcharbeiten“ ist der Königsweg zur Erkenntnis. Passiver Konsum am Computer, am Laptop, am Tablett, hat bestenfalls unterstützende Wirkung. Als generelles Allheilmittel ist diese Art des Lernens aber nicht geeignet.

Laut Aussage des Kinderarztes holt man selbst im Silicon Valley wieder die Tafeln heraus. Es gibt neuere Studien des Massachusetts Institute of Technology, die genau dies fordern:

Nur, was Sie geschrieben hat, bleibt im Kopf, nicht, was Sie getippt haben.

Wie kann man Schüler am besten unterrichten? Aus eigener Praxis: „vom Lehrer geführtes Selbermachen“. Selber schreiben, ganz traditionell mit der Hand auf Papier, ist durch nichts zu ersetzen. Und für den Lehrer: Ideen live an der Tafel entwickeln. Jede Art von Schaubild ist nur Unterstützung. Man muss aufpassen, nicht zu viel Information darauf unterzubringen. Online-Beschulung? Das ist eine Krücke und bedeutet eine Halbierung der Schulzeit.

Das Online-Beschulungsprogramm bedeutet, dass man „die Hälfte der Kinder nicht erreicht“. Wenn ein Schüler etwas nicht versteht, muss ich als Lehrer zu ihm hingehen können, persönlich auf ihn einwirken. Ein Videobild reicht da nicht, das schafft auch keine Lernatmosphäre. Es geht am besten im direkten Lehrer-Schüler-Kontakt. Jedenfalls dann, wenn es um komplexe und schwierige Inhalte geht. Ich habe nicht vergessen, wie auch an mir viele Mathematikvorlesungen zu meiner Sudienzeit vorbeigezogen sind, verstanden hatte ich erst nach eigenem Durcharbeiten des Stoffes.

Besteht überhaupt die Notwendigkeit, Schulen zu schließen und damit auf Onlineunterricht überzugehen? Offenbar nicht. Die Inzidenz ist einfach zu gering, Kinder sind keine Treiber der Pandemie und auch in Schweden, wo man alles offengelassen hat und der Schulunterricht normal weiterlief, hat es nur insgesamt 15 erkrankte Kinder gegeben, das entspricht einem Auftreten von 1 : 130.000.

In Deutschland hat es drei Sterbefälle unter Kindern gegeben, die mit Corona abliefen. Ein Kind war ohnehin in einer Palliativsituation, ein weiteres ist an seiner Herzproblematik gestorben. In ganz Deutschland ist tatsächlich nur ein einziges Kind an COVID-19 (mit hoher Wahrscheinlichkeit) gestorben. In Korea wurden ebenfalls die Schulen vorsichtig wieder geöffnet, bei insgesamt höherer Inszidenz. Es gab keinen Anstieg von Infektionen. Die Infektionsrate bei Kinder lag nie über der Infektionsrate der Erwachsenen, die Kinder waren also keine Treiber der Pandemie.

Der eine Todesfall in Deutschland ist traurig, aber kein hinreichender Grund, alle Schulen zu schließen. „No COVID“ funktioniert als Strategie hier nicht. Die Verhältnismäßigkeit ist einfach nicht gegeben. Und Masken für Grundschüler sind unnötig, es gibt inzwischen sogar eine amtliche, für Ärzté verbindliche S3-Richtlinie, die sie ablehnt. Für jüngere Schüler sind sie sogar schädlich: Kinder, die Sprache nur genuschelt hören, fangen selber an zu nuscheln, wie der Arzt aus seiner Familie berichtet. Wenn Ansteckung überhaupt passiert, dann vom Lehrer zum Schüler, nicht unter Schülern. Die Klassen sind kein Hort von Infektion. Allenfalls unter älteren Schülern sind Masken mit Einschränkung vertretbar.

Kinder brauchen Konstanz

Und diese Konstanz lässt sich an einem zentralen Ort, wie ihn die Schule darstellt, am besten verwirklichen. Online lernen bringt auch fachlich nichts, es gab eine Oxford-Studio, nach der die Lehrer sogar vor den Zeitpunkt des Lockdowns zurückgehen mussten, als die Schulen wieder öffneten, um den Anschluss zu finden.

Masken sind in den unteren Klassen völlig unnötig. In den oberen sind sie zumindest zweifelhaft.

Sportunterricht mit Maske ist für mich als Kinderarzt Körperverletzung.

Wenn man also dem Bildungssystem etwas Gutes tun will, gibt es nur eine Schlussfolgerung: Laßt die Schulen auf, lasst die Masken weg (für Grundschüler sind sie ja geradezu verhängnisvoll), testet die Lehrer, aber auch nicht mehr, und lasst die Online-Experimente! Was die Schulen brauchen, ist Konstanz und das, was ohnehin jeder weiß: mehr Geld. mehr Lehrer, kleinere Klassen. Laptops und Tablets schaden nicht, lösen aber auch keine Probleme. Onlineunterricht erst recht nicht.

Es gibt Kinder, für die ist die Schule der einzige geschützte Ort, den sie am Tage besuchen.

Für sozial benachteiligte Schüler sind die Folgen von Schulschließungen also besonders schlimm, denn für sie ist ihr Zuhause oftmals eben kein Schutzraum.

Was die langen Schulschließungen für die Kinder psychisch bedeuten, ist noch gar nicht abzusehen. Offenbar entstehen viele Ängste. Es gibt Untersuchungen, die von Schuldgefühlen und der Angst berichten, Erwachsene anzustecken. Vor eigener Erkrankung haben die Kinder (zu Recht) weniger Angst.

Unsere Schulen brauchen also das, was sie schon seit jeher brauchen: Ordentliche Räume, Tafeln und Kreide, Stifte und Papier. Und genügend Lehrkräfte. Wir brauchen eine Rückkehr zur Normalität, bei Einhaltung einfacher Hygieneregeln wie Lüften und Händewaschen. Das ist machbar. Kinder, die Angst haben, dass sie ihre Oma krank machen, sind eine gesellschaftliche Bankrotterklärung. Für Schulschließungen aufgrund der Corona-Epidemie gibt es keinen rationalen Grund.

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