Heute vor 31 Jahren

Heute vor 31 Jahren fiel die Berliner Mauer. Ostberliner und Westberliner lagen sich in den Armen, die Welt, jahrzehntelang an die deutsche Teilung gewöhnt, rieb sich verwundert die Augen, es gibt wohl kaum einen Deutschen, der an diesem Tage keine feuchten Augen hatte. Für mich war das der Tag, an dem die Abschaffung der DDR unumkehrbar wurde, Und ich hatte 28 Jahre lang die Hoffnung nie aufgegeben. Der Mauerfall und die deutsche Wiedervereinigung sind bis heute für mich ein Glücksfall der Geschichte.

Zufälligerweise lief bei mir heute um 20:00 Uhr die Tagesschau. Dabei gab es zwar einen Hinweis auf die sogenannte Reichskristallnacht, als die Nazis mit der brutalstmöglichen Judenverfolgung begannen, aber dieses neuere und für die heutige Entwicklung mindestens genau so bedeutende und im Gegensatz freudige Datum der deutschen Geschichte fand keinerlei Erwähnung.

Wie auch, ist es doch ein Trauertag für die deutsche Linke, der die doofen Ossis die geliebte DDR, das bessere Deutschland jedes anständigen Saumagenkostverächters, weggenommen haben – was sie diesen heute AfD-wählenden Untermenschen (da sieht man’s wieder) nie verziehen hat. Das kann für die mit schwerer Backbordschlagseite dahindümpelnde ARD eines Georg Restle kein Tag zum Feiern sein.

Das brachte mich auf die Idee nachzusehen, wie die Presse diesen Tag würdigt. Ich habe also die regionale und überregionale Presse durchsucht, was dort für Artikel zur Erinnerung an den Mauerfall erschienen sind:

  • In der „Welt“: Ein Bild vom Gedenken an die Maueropfer immerhin. Verborgen in „Regionales“. Ganz übergangen haben sie den Tag nicht.
  • Spiegel: Ein Hinweis auf einen Film bei Spiegel-TV über das Trauma von Kindern, deren Mütter ihre Kinder verließen und in den Westen gingen. Flucht als krimineller familiärer Supergau. Zwar leider die Wahrheit, aber eben auch gerade heute Negativframing, wie es perfider kaum geht. Sozusagen als indirekter, dezent diffamierender Hinweis: die geöffnete Grenze nahm Kindern die Mütter weg. Wer hätte auch etwas anderes erwartet vom Relotiusmagazin.
  • FAZ: Nichts, rein gar nichts. Frankfurt am Main liegt eben auch 31 Jahre nach der Wiedervereinigung immer noch tief im Westen, wo die Sonne verstaubt.
  • SZ: Die Süddeutsche bringt einen Artikel über den Fall der Mauer. Sogar im Ressort „Politik“, da, wo er hingehört. Aber: Die Erinnerung an die Reichsprogromnacht findet sich auf der Titelseite, die Erinnerung an den Fall der Berliner Mauer nicht.
  • BILD: Ein Artikel über Peter-Michael Diestel, den letzten Außenminister der DDR. Der Fall der Berliner Mauer findet wenigstens Erwähnung, auch Bilder werden gezeigt. Einen Hinweis an prominenter Stelle findet man aber ebenfalls nicht.
  • Berliner Zeitung: Ein Artikel zum Gedenken, geteasert auf der Titelseite.
  • Tagesspiegel: Ein Vergleich, wo früher die Mauer stand und wie es heute dort aussieht. Naja, Lebbe geht weiter.
  • TAZ: Eine Erinnerung im Teil „Berlin“. Immerhin.

Ich habe an dieser Stelle die Suche beendet. Außer in der „Berliner Zeitung“ habe ich keine würdige Erinnerung gefunden. Eigentlich ist es traurig, wie wenig an diesen doch so wichtigen und weichenstellenden Tag der deutschen Geschichte erinnert wird.

Die Tagesschau, ganz im politisch korrekten Fahrwasser, erwähnte natürlich pflichtschuldigst mit der Reichsprogromnacht einen der beschämendsten deutschen Jahrestage; der Fall der Berliner Mauer, wo sich ein Volk nach 28 Jahren brutaler Teilung jubelnd in den Armen lag, war der Redaktion jedoch keine Sendezeit wert.

Und das ist wirklich ebenso kennzeichnend wie beschämend.

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