Die vergessliche Öffentlichkeit

Den Generationskonflikt gab es schon immer. Aber inzwischen nimmt er Formen an, die nicht mehr verträglich sind für eine Gesellschaft. Und das hat auch mit dem Niedergang der Bildung zu tun. Die Inflation der Einsen im Abi für immer mehr Prozent eines Jahrgangs steht im krassen Gegensatz zur sinkenden Allgemeinbildung. Google hilft auch demjenigen nicht, der über kein Hintergrundwissen zur Einordnung verfügt. Da behilft er sich im Alltag mit Allgemeinplätzen, die ihm die Medien vorkauen. Zum Mitschwimmen im Mainstream reicht das, für eigenständiges Denken nicht.

Früher bestand die Öffentlichkeit aus Diskursen, angeführt von Intellektuellen und geachteten Persönlichkeiten. Heute besteht sie aus Kampagnen organisierter Politaktivisten und -lobbyisten, die im Schulterschluß mit den Medien eine Sau nach der andern durchs Dorf treiben. Dabei wird die Aufmerksamkeitsspanne der Öffentlichkeit immer kürzer.

Und heute kann man fettes Geld mit Geschwätz“wissenschaften“verdienen. Dazu kommt, dass sich ein Teil der Wissenschaft zur Hure von Interessengruppen gemacht hat, was der Legitimation der Wissenschaft insgesamt schadet. Es gibt inzwischen viel zu viele Minderleister und Quotenheinis und -gretels auf einflussreichen Posten, der öffentliche Diskurs wird immer flacher, géschwätziger und infantiler. Die Zahl der Selbstdarsteller hat überhandgenommen. Das verschärft den Generationenkonflikt.

Ein Leser des „Cicero“ bringt es auf den Punkt:

Verachtung der „Alten“

Dass die junge Generation despektierlich auf die „Alten“ herabschaut, ist ein Phänomen, das wir meines Wissens in dieser Form noch nie erlebt haben. Hochnäsigkeit, ideologische Blindheit, Hypermoralismus und ein sozialistisch-grün- totalitär angehauchter Neokommunismus, dazu eine Mischung aus Unbildung, Ignoranz und Arroganz… das sind die sogenannten Globalisierer von heute. Ich fürchte, es wird übel enden.

Der klassische Dunning-Krueger-Effekt: Wer über keine sachbezogene Kompetenz verfügt, dem entgeht auch, dass er selbst keine hat. Er hält seine eigene, schnell ergoogelte Meinung für einzig richtig. So gewinnen die atavistischen psychologischen Mechanismen der Menschheit, vom Herdentrieb bis zur Hexenjagd, wieder die Oberhand über gut durchdachte, rationale und zukunftsfeste Erwägungen, die Zeit brauchen. Aber diese Zeit nimmt sich kaum jemand der Jungen mehr, er könnte ja etwas verpassen.

Die Aufmerksamkeitsspanne der Öffentlichkeit ist heute auf die Dauer eines Shitstorms begrenzt. Wer aber seine Vergangenheit derart vergisst, ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen.

Ein Kommentar zu „Die vergessliche Öffentlichkeit

  1. Hauptsache „gegen Rechts“ sein, in allen Andersdenkenden gleich Nazis „entlarven“; und sicher sein, die ältere Generation ist sowieso verkalkt und verloren.

    Da ist es ein schwacher Trost, dass die so denkenden und handelnden Jugendlichen dereinst auch die tolle Ernte ihrer Meinungen mit Sicherheit selbst einfahren werden.

    Mir tut nämlich die Minderheit leid, die noch normal geblieben ist und nicht solchen Rattenfängern hinterherläuft. Letztendlich wird sich dann niemand von denen für das entstandene Chaos verantwortlich fühlen. Die „Nazis“ werden daran schuld sein.

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