Von China und Südkorea lernen

Was macht Deutschland falsch? Zunächst einmal wird hier viel zu wenig getestet. Das hat für die Regierung den Vorteil, dass die Zahlen immer noch relativ niedrig sind. Sie entsprechen aber längst nicht mehr der Realität. Im Wetteraukreis beispielsweise wird überhaupt nicht mehr getestet. Dabei haben Mediziner jetzt sowohl in Peking, als auch in Südkorea öffentlich kommuniziert, wie sie die Seuche in den Griff bekommen haben:

1.) Testen, testen, testen! Nur so lassen sich Kontaktpersonen verifizieren und die Infektionsketten unterbrechen. Auch auf leisen Verdacht testen!

2.). Das medizinische Personal schützen. Das hat man zunächst in China nicht genügend beachtet, was dazu führte, daß in den Krankenhäusern das Virus durch infizierte Ärzte und Pfleger weitergegeben wurde, viel  Personal ausfiel und Ärzte, darunter ein Arzt und Warner der ersten Stunde,  starben.

Leider wird in Deutschland derselbe Fehler gemacht. Es sind kaum Tests vorhanden und in meinem Behandlungszentrum sehe ich, dass auch das allgemeine medizinische Personal kaum geschützt ist. Aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis, wo in einer Familie mehrere Ärzte sind, bekam ich gestern folgende Nachricht:

Seit Sonntag haben wir die vier Enkel von S. bei uns. Er brachte sie ganz überstürzt zu uns, da seine Tochter früh in der Klinik ungeschützt an einer älteren Frau eine halbe Stunde Blut abnahm, einen Port legte und sie an einen Tropf anschloß. Der Eingangsarzt unterließ es, sie auf Corona zu testen (kostet ja 250 €). Die Tochter testete sie dann darauf und nach fünf Stunden. lag ein positives Ergebnis vor. Nun ist sie in häuslicher Quarantäne….  Nun müssen wir sehen, wie wir mit den Kleinen klarkommen.

Blogger berichten schon seit Tagen, wie schwierig es ist, als  Verdachtsfall  einen Test zu erhalten, teilweise sogar völlig unmöglich. Die offizielle Empfehlung lautet: Hausarzt kontaktieren oder die 116117 anrufen. Die Hausärzte wiederum, völlig überlastet, verweisen an die Notfallnummern, die Notfallnummern, wenn überhaupt erreichbar, an die Hausärzte. Es gibt katastrophal wenig Tests. Die Kliniken nehmen überhaupt niemanden mehr auf ohne Überweisung.

Corona-Chaos and counting.

Update: Dieser Epidemiologe vertritt eine gegenteilige Meinung, auf die mich Herr B. aufmerksam gemacht hat und die ich hier nicht unterschlagen möchte:

Kurz zusammengefasst: im Grunde genommen alles normal in diesem Winter.

Wie immer, wenn sich Experten streiten, höre ich mir alle Seiten an und halte ich mich an meinen gesunden Menschenverstand. Der ist durchaus individuell und nicht allgemeingültig, aber er sieht in diesem Fall so aus: Dies sind Todesanzeigen dieser Tage in italienischen Zeitungen. Deren Umfang halte ich nicht für normal:

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Hysterie ist ganz sicher ein ebenso schlechter Ratgeber wie Verharmlosung. Wenn man allerdings die dramatischen Berichte aus Norditalien, speziell Bergamo, z. B. in der NZZ liest, ergibt sich ein eindeutiges Bild: Das Virus konnte sich dort ungehindert ausbreiten, da den lokalen Behörden aus Rom und flankiert von der eigenen gebeutelten Wirtschaft rechtzeitige härtere Maßnahmen verboten wurden. Das Elend dort ist einfach unbeschreiblich und keine Statistik und kein Hinweis auf mediale Übertreibung kann dies annullieren.

Für meinen Teil bleibe ich sehr vorsichtig, schon weil ich dreifach zu Risikogruppen gehöre.

5 Kommentare zu „Von China und Südkorea lernen

  1. Ich habe inzwischen das Video gesehen. Dr. Wodark Ist auf jeden Fall ein kompetenter Epidemiologe, dem unbedingt zuzuhören ist. Ich gehe auch weitgehend mit, was die Aussagefähigkeit von Tests und die Abhängigkeit von den untersuchten Patientenkategorien betrifft. Auch kann man vernünftigerweise nicht bezweifeln, dass Coronaviren an sich überhaupt nichts Neues darstellen und mit jeder Grippewelle sozusagen mitkommen. Allerdings kann ich seine Schlussfolgerung dann doch nicht nachvollziehen.

    Dafür gibt es einen einfachen Grund: Die ungeheure Welle an todkranken Patienten, die die italienischen Krankenhäuser überschwemmt hat und die auch bei uns droht (auch dazu gibt es entsprechende YouTube – Videos, wer die Situation nicht für ernst genug hält), diese Welle ist mit einer normalen Grippewelle nicht zu vergleichen. Und dies gilt unabhängig von allen statistischen und epidemiologischen Erwägungen. Selbstverständlich ist dies nur meine private Meinung.

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  2. Lieber Herr Stamer, bei den meisten Themen teile ich die Ansicht mit Ihnen.
    In diesem speziellen Fall nicht. Schauen Sie Sich bitte einmal die Stellungnahme von Dr. Wolfgang Wodark -. z.B. auf YouTube bei Punkt.Preradovic an.
    Unabhängig ob dies Ihre Ansicht ändert oder nicht schätze ich Ihre Stellungnahmen sehr.
    Alles Gute für Sie!

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