Wie nach’m Krieg

Bilder von heute aus dem Edeka Strausberg:

Quelle: privat

Dinkel-Nudeln hätte man noch kaufen können. Mir erscheint das symptomatisch: die Leute sind verunsichert und halten sich an das, was sie aus den Medien hören. Das ist zwar widersprüchlich, der Tenor in den vergangenen Tagen vor dem Wochenende war aber: nur keine Panik. Das Innenministerium warnte vor angeblichen Tatarenmeldungen aus dem Netz, anstatt frühzeitig harte Maßnahmen zu ergreifen. Die werden immer wieder durch die langen Entscheidungswege und die Hoheit der Bundesländer bei den anstehenden Entscheidungen verzögert.

Zudem scheute man sich offenbar lange, die Grenzen zu schließen, schon aus politischen  Gründen. Wie soll man denn der Bevölkerung erklären, dass es jetzt auf einmal geht, aber 2015 nicht möglich war?

Spätestens am Sonnabend war dann klar, dass die Lage ernst ist. Das Vertrauen, dass die Führung des Landes die Lage im Griff behält, ist offenbar gering. Dabei ist die größte Bedrohung nicht, daß es kein Klopapier oder keine Nudeln mehr zu kaufen gibt, sondern dass außer dem Gesundheitssystem auch die Infrastruktur und damit die öffentliche Sicherheit an entscheidenden Stellen zusammenbricht. Die nach 1989 Geborenen, die nie eine gesellschaftliche Krise in ihrem komfortabel durchorganisierten Leben erlebt haben, erfahren jetzt gerade, wie sich das anfühlt. Das ist keine Häme meinerseits, sondern die Hoffnung auf einen Lernprozess hinsichtlich der Einstellung zu den Älteren.

Ein Kommentar zu „Wie nach’m Krieg

  1. Bei Ansicht der leeren Regalbilder dachte ich fast, es wären alte Aufnahmen aus einem Konsum. Aber so modern ging es seinerzeit wohl nur selten zu. Leere Regale allein sind ja nur die halbe Wahrheit.
    Bei Lidl in Furth im Wald war gestern tschechisch Landessprache. Im Prinzip ja ok, aber nun sollten doch bitte alle auf ihrer Seite die Regale leeren. Außer halt, wenn sie bei uns arbeiten. Scheint bald jeder Zweite zu sein.
    Immerhin fällt mir diesbezüglich ein in der DDR gehörter Witz ein: Ein Mann will am Bahnschalter eine Fahrkarte nach dem Ort „Kürze“ kaufen. Der Bahnangestellte blättert in seinem Verzeichnis und sagt schließlich: „So einen Ort gibt es nicht“. Antwort: „Natürlich. In der Zeitung stand doch, in Kürze gibt es Toilettenpapier“.
    Die heimliche Pointe sehe ich allerdings in der Tatsache, dass es früher noch verbreitet Personal an Bahnschaltern gab, und zwar hüben wie drüben. Ist doch mal eine schöne Erinnerung an Gemeinsamkeiten.
    Irre: Laut Berliner Tagespiegel online Umfrage machen sich 40% keine Sorgen wegen Covid19. Und in München werden extra privat Partys dafür von Vollidioten gefeiert. Sollen die Alten, die ihnen die Zukunft angeblich versaut haben, doch abtreten. Antiautoritär Erzogene die Dritte. Gottlob nicht alle, aber leider sehr viel.

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