Kein Absturz der AfD

Ein Beispiel für tendenziöses Framing lieferte die „Welt“ mit der Schlagzeile:

Stefan Weil zum AfD-Absturz: „Da haben sich die Leute offenbar eines Besseren besonnen.“

Ich nehme das mal kurz auseinander:

Die SPD zitiert hier Stefan Weil, den SPD-Ministerpräsidenten von Niedersachsen. Der ist natürlich alles andere als neutral, das erwartet auch niemand. Aber ein entsprechendes Gegengewicht in der Zeitung, etwa durch eine Stellungnahme der AfD, findet sich nicht.

Ein AfD-Absturz hat auch nicht stattgefunden. Allerdings sind diesmal mehr Wähler als 2015  zur Urne gegangen, und von den vormaligen Nichtwählern haben 2020 nur weniger als 4 % AfD gewählt, anders als in Ostdeutschland bei den dortigen Landtagswahlen. Ein Absturz wäre es aber für die AfD nur geworden, wenn die AfD-Wähler von 2015 diesmal tatsächlich in erheblich geringeren Maße AfD gewählt hätten. Das ist nicht der Fall:

Die Wahlbeteiligung lag 2020 bei 63,3 % gegenüber 56,5 % 2015. Geht man davon aus, dass alle Wähler, die 2015 die AfD gewählt haben, das diesmal auch wieder getan hätten und von den Nichtwählern 2015 niemand die AfD gewählt hätte, so hätte die AfD diesmal trotzdem rein rechnerisch 5,44 % erreichen müssen. Erreicht hat sie 5,3 %.

Das bedeutet, da bei den Nichtwählern doch einige AfD gewählt haben, dass nur wenige AfD-Wähler von 2015 abgesprungen sind. Das geht auch aus der Wählerwanderungsanalyse (siehe unten) hervor. Insofern kann man nicht von Absturz reden.

Der Rückgang von 6,1 auf 5,3 % war nach den Ereignissen der letzten Wochen und den Umfragen im Bund zu erwarten. Dass im Moment von den Nichtwählern kein Rückenwind kommt, ist ebenfalls nicht überraschend, hat doch der Propagandatsunami nach Hanau ungeahnte Ausmaße erreicht. Es ist nicht zu erwarten, dass Wähler von solchen Trends völlig unbeeindruckt bleiben.

Hamburg ist insofern keine Zäsur für die AfD. Es kommt jetzt auf die weitere Entwicklung an. Hamburg hatte 1,3163 Mio Wahlberechtigte, AfD haben ca. 69.800 gewählt. Aus der Wählerwanderungsanalyse geht hervor, dass die AfD im Saldo sogar 2.000 Stimmen gewonnen hat, und zwar von den vormaligen 89.000 Nichtwählern minus „Andere“, alles andere gleicht sich aus. Der Rückgang der Prozentpunkte kommt nur durch den vergleichsweise geringeren AfD-Zuspruch der ehemaligen Nichtwähler zustande: 3.000 von 89.000 = 3,4 %. Da die Werte auf 1000 gerundet und indirekt ermittelt sind, sind sie noch ungenau.

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Das ist kein Absturz, aber auch keine Fortsetzung der AfD-Erfolgsgeschichte. Wer aber eine solche erwartet hätte, hat die letzten Wochen verschlafen.

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