Der gefakte Umsturz

Der Bösewicht vom Dienst der AfD, Björn Höcke, ist erneut das Opfer einer Schmutzkampagne geworden. Anlass war seine letzte Rede auf dem Pegida-Jubiläum in Dresden. Überschrift dazu in der „Berliner Zeitung“:

„Björn Höcke ruft zum Umsturz auf“

Nun kann man ja politisch anderer Meinung sein oder auch Zitate von ihm angreifen. Aber was die „Berliner Zeitung“ abzieht, ist schon ein starkes Stück. Es ist Manipulation in Reinkultur. Zitate werden nicht nur aus dem Zusammenhang gerissen, sondern es werden falsche Bezüge hergestellt und auch sinnentstellend zitiert. „Hat Höcke wirklich zu Umsturz aufgerufen?“ Diese Frage stellt die „Junge Freiheit“. Die Antwort ist: Nein. Auch nicht indirekt.

Man schreckt inzwischen auch vor Fälschungen nicht zurück. Das Originalzitat aus der Rede lautet laut „Berliner Zeitung“:

„Die Herrschaft der verbrauchten Parteien und Eliten muß abgelöst werden, und wir werden sie ablösen. Das Land steht Kopf. Wir müssen es wieder auf die Füße stellen, wir müssen das Unterste wieder nach unten stellen. Wir werden diesen Kampf gemeinsam führen und gemeinsam gewinnen.“

Angesichts der Verhältnisse würde ich diese Formulierung sogar unterstützen. Nur: Höcke hat das nicht gesagt. Statt dessen sagte er:

„In Deutschland sind wirklich alle Maßstäbe verrückt. Dieses Land steht Kopf. Das Unterste ist nach oben gewendet. Wir müssen dieses Land wieder vom Kopf auf die Füße stellen. Wir müssen das Unterste wieder nach unten wenden, wo es hingehört. Es ist so, wie das Henryk M. Broder einmal diagnostiziert hat. Deutschland ist ein Irrenhaus. Und wenn man ein Dach darüber ziehen könnte, dann wäre es eine geschlossene Anstalt.“

Es ist also wieder die aus dem Wikipedia-Eintrag über ihn bekannte Collagetechnik, man verwendet Begriffe und Satzteile, die gefallen sind oder auch nicht, macht aber ein neues Puzzle daraus – bis es in das gewünschte Bild paßt. Die irreführende Schlagzeile ist dann nur noch das Tüpfelchen auf dem I. Weitere Einzelheiten der Manipulation kann man bei der Jungen Freiheit nachlesen.

Die „Berliner“ geht jedoch noch weiter: So soll Höcke Gegendemonstranten und Kritiker der AfD als „geistig gestört“ oder „irre“ bezeichnet habe. Man kann es sich so gut vorstellen: das Pfeifkonzert der Gegendemonstranten und wie Höcke darauf antwortet.

Das Problem ist nur: So war es nicht. Höcke hat keine Personen angegriffen, sondern den übergriffigen Ausspruch eines Thüringer Linken-Politikers, der Kemmerich vorgeworfen hatte, „ein Ministerpräsident von Gnaden derjenigen zu sein, die Liberale, Bürgerliche, Linke und Millionen weitere in Buchenwald und anderswo ermordet haben.“ Und das ist viel mehr als nur Geschichtsklitterung. Und ist meiner Meinung nach deshalb so perfide, weil damit das gewünschte Bild von der „faschistischen Partei“, das überhaupt nicht der Wahrheit entspricht, weiter in der Öffentlichkeit festgeklopft werden soll.

Höcke wörtlich:

Liebe Freunde, das ist nicht mehr nur antidemokratisch und undemokratisch. Das ist hemmungslos. Das ist irre. Das ist völlig verrückt. Und das, liebe Freunde, so eine Aussage, das ist im Übrigen eine Verharmlosung der Verbrechen des Nationalsozialismus.

Viele würden dazu sagen: Eigentlich hat der Mann recht. Aber das wollte die „Berliner Zeitung“ wohl nicht riskieren. Deshalb diese raffinierten Lügen, die man nur erkennen kann, wenn man den echten Wortlaut der Rede hat. Da fragt man sich wirklich, mit welchem Geld die „Berliner“ wohl gekauft wurde und in welchem Auftrag die beiden „Retter“ der wirtschaftlich angeschlagenen Zeitung erschienen sind.

Mit Höcke hatte ich mich schon früher beschäftigt. Nach dem Motto: nimm dir den bösesten Buben der AfD vor, vielleicht findest du ja wenigstens dort einen Faschisten. Dazu hatte ich das Buch von Björn Höcke „Nie zweimal in denselben Fluss“ gelesen. Sollten wirklich 24 % der Thüringer einen Faschisten gewählt haben?

Ich habe keinen gefunden. Höcke ist ein Nationalromantiker, kein Nationalist, kein Faschist, kein Machiavellist und er stellt auch nicht das staatliche Gewaltmonopol infrage. Auf Amazon habe ich eine Rezension geschrieben und fünf Sterne vergeben:

Spätestens seit 2015 habe ich mir angewöhnt, bei jeder neuen Sau, die durchs Dorf getrieben wird, die Quellen zu studieren. Was ist wirklich gesagt worden, in welchem Kontext stand die Aussage?

Bei Höcke gibt es jede Menge Sekundärquellen, aber kaum Primärmaterial. Schon deshalb ist dieses Buch sehr wertvoll. Hier kann jeder Leser selbst feststellen, was von dem, was über Höcke gesagt wird, denn nun stimmt. Liest man zum Beispiel die Wikipedia, so kann man anhand des Abschnittes über dieses Buch sehr gut feststellen, in wie weit der Autor dort ein realistisches Bild zeichnet.

Nur ein kleines Beispiel. In der Wikipedia steht: „Im Anschluss an Niccolò Machiavellis Traktat >Der Fürst< von 1513 behauptet Höcke eine Machtenergie („virtù“) des Volkes, die sich besonders in einzelnen Führern („uomo virtuoso“) zeige.“

Bei Höcke liest sich das folgendermaßen:

Interviewer: „Aber ist ein Volk überhaupt in der Lage, sich selbst aus dem Sumpf wieder herausziehen?“

Höcke: „Machiavelli bestritt das ja vehement. Er ging von einem »Uomo virtuoso« aus, der nur als alleiniger Inhaber der Staatsmacht ein zerrüttetes Gemeinwesen wieder in Ordnung bringen könne. Aber auch für eine plurale Führung wäre eine enge Kommunikation und Zusammenarbeit mit dem Volk unabdingbar.“

Die Assoziation zum Faschismus ist hier nicht gegeben. Deswegen hat man bei Wikipedia – siehe oben – ein wenig nachgeholfen.

In diesem Sinne ist das Buch eine Fundgrube. Höcke hat die Gelegenheit, seine Gedanken vollständig zu entwickeln und wird nicht ständig in Richtung Faschismus, Rassismus, Führertum usw. geframt. Jeder Leser kann sich selbst ein Bild machen.

Mein Fazit: Höcke ist allenfalls ein Nationalromantiker, nicht einmal ein Nationalist. Und schon gar kein Faschist. Er neigt zu blumigen Formulierungen, die im Einzelfall auch angreifbar sind. Seine Ausführungen sind aber allemal interessant, bedenkenswert, gut formuliert, nachvollziehbar und mit einiger klassischer Bildung untermauert. Das vorwiegend von ihm medial gezeichnete Bild zeichnet sich in diesem Buch jedenfalls nicht ab.

Es hätte zwar zur journalistischen Redlichkeit gehört, den Kontext zu beachten. Das geschieht in der Presse und auch bei Andreas Kemper nicht, von dem alle abgeschrieben haben, da wird von vornherein ein bestimmtes Bild mit einer Collage aus verkürzten und verfälschten Zitaten bestätigt, die dann bei Bedarf von allen Medien hervorgeholt wird. Es ist aber eine bunte Welt, keine braune, die Höcke hier ausrollt.

Das Buch ist eine klare Leseempfehlung für jeden politisch interessierten Menschen. Unabhängig von dem jeweiligen politischen Standpunkt, Voraussetzung ist nur, dass er vorurteilsfrei sich auf Höckes Gedanken einläßt und „den Mut hat, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Das ist in hysterischen Zeiten alles andere als selbstverständlich.

Auch wenn man denkt, die Schraube kann nicht weiter angezogen werden, geht es immer noch eine Umdrehung weiter. Es ist also in Zukunft mit einer weiteren Verschärfung der Propaganda zu rechnen, auch wenn dies kaum vorstellbar erscheint. Sie werden alles zusammenlügen, was der AfD schadet und was irgendwie glaubhaft erscheint, und je verzerrter das Bild der AfD in der Öffentlich bereits gefestigt ist, desto weiter können sie dabei gehen.

Nachtrag: Ein Leser der JF kommentiert:

Wir standen gestern Abend vor der Bühne und haben Höckes Rede live gehört. Seine Wortwahl war klar und unmissverständlich. Ein Aufruf zum Umsturz war die Rede nicht. Wir haben uns später auch den Originaltext durchgelesen. Durch bewusste Weglassung oder Verschiebung von Wörtern ist es natürlich möglich, den Sinn einer jeden Rede zu verfälschen. Möge diese Niedertracht auf den Fälscher zurückfallen.

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