Kein Grund zur Freude?

Nach langem Tauziehen hat Thüringen, Monate nach der Wahl im letzten Oktober, endlich einen neuen Ministerpräsidenten. Nun können also wieder politische Weichen gestellt werden in Thüringen.

Dass dieser nicht von der Nachfolgepartei der SED ist, wäre allein ein Grund zur Freude. Aber nicht bei allen. Denn, man weiß es nicht genau, aber man vermutet, das Ganze ist mit Hilfe der AfD zustande gekommen. Und das geht ja nun gar nicht! Die AfD, konstruktiv in der Realpolitik? Diesen Lackmustest wollte man seitens der Politik und der verbündeten Medien mit aller Macht verhindern, könnte er doch ungeahnte Folgen für die Akzeptanz der AfD auf Bundesebene haben – und das würde das Märchen von den verbohrten Rechtsauslegern und politikunfähigen Faschisten erheblich ins Wanken bringen.

Mit Ramelow gab es kein derartiges Problem mehr, denn seit den „roten Socken“ ist die Republik erheblich nach links gerückt. Die SED-Nachfolgepartei, vermehrt um generische Westlinke, ist längst salonfähig geworden. Mauertote, reale Verbrechen in der Vergangenheit, das Einsperren eines ganzen Staatsvolkes zwecks Machterhalt, eine bankrotte  Volkswirtschaft und ein sozialistischer Systemkollaps, auch sehr real, zählen nichts gegen die Dinge, die man einem Höcke unterstellt. Der Wiedergänger von Adolf Hitler sozusagen, ein tiefbrauner Gottseibeiuns.

Merkwürdig ist nur, dass man sich mit dem Herrn gar nicht inhaltlich auseinandersetzt.  Ich habe jedenfalls außer Unterstellungen noch nichts Substanzielles zur politischen Agenda Björn Höckes in der deutschen Presse gelesen.

Entsprechend ist das Echo in der Presse. Jacques Schuster, Chefkommentator der „Welt“, meint, die CDU und die FDP in Thüringen hätten ihren Parteien schweren Schaden zugefügt. Und der meist vernünftig und ausgewogen kommentierende „Cicero“ lässt den Ex-FAZ-Herausgeber Müller-Vogg an die Feder, der in dasselbe Horn tutet und „verheerende Signale“ sieht. Und natürlich rückt Thüringen wieder mal nach rechts (irgendwie kommen die schon fast links wieder raus). Und das Buzzword „völkisch“ darf auch bei Müller-Vogg nicht fehlen, wenn auch nur bei Twitter.

Und das sind noch die konservativen Stimmen in Deutschland, da mag ich mir den Rest der Medien überhaupt gar nicht erst antun, die sicherlich noch heftiger Zeter und Mordio schreien.

Nein, für mich ist die Wahl ein Grund zur Freude. Die Ausgrenzung der AfD wird nicht auf Dauer funktionieren und ihre Standpunkte werden Eingang in die Tagespolitik finden. Früher oder später. Diese Hoffnung habe ich und diese Vision rückt mit dem heutigen Tag ein Stück näher. Der Demokratie kann das nur nutzen, denn die AfD repräsentiert mehr als ein Viertel der ostdeutschen Bevölkerung.

Ein Kommentar zu „Kein Grund zur Freude?

  1. Erkennt man nun ab heute Linke, Grünlinge und Sozis daran, dass sie überall mit Schaum vor dem Mund durch die Gegend laufen? Wer diese besonderen Spezis näher kennt, mag es zumindest nicht gänzlich ausschließen.

    Übrigens ist „Die Linke“ doch eigentlich gar keine Nachfolgepartei der SED, sondern lediglich dieselbe mit neuem Namen. Wenn Menschen ihren Namen dreimal ändern, sind sie deshalb auch noch keine anderen Menschen geworden. Aber als einer, der zum Glück „nur“ von außen über den Rand der Mauer schauen durfte, mag ich mich da auch nicht festlegen.

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