Die Wiese der grünen Blumen

Ich bin total davon überzeugt, dass es grüne Blumen gibt. Ich habe zwar noch keine gesehen mit grünen Blumenblättern, aber irgendwo auf der Welt wird es sie geben, da bin ich ganz sicher. Für mich ist das eine Wahrheit, ein Fakt.

Nun möchte ich diese Wahrheit gern auch anderen Menschen mitteilen. Ein Foto wäre gut, das überzeugt sofort. Ich gehe also raus in den Garten und suche mir eine grüne Blume. Es ist Ende Juli, aber dummerweise steht da keine, es gibt blaue, rote, gelbe, weiße. Aber keine grünen.

So ein Pech aber auch. Ich weiß, dass ich recht habe, nur kann ich es gerade mal hier und heute nicht beweisen. Aber clever wie ich bin, erinnere ich mich an die vom Frühjahr übriggebliebe Sprühfarbe für den Doppeldrahtzaun.

Fünf Minuten später habe ich die grün lackierte Blume mit dem Handy geknipst und nach weiteren fünf Minuten steht das Bild auf Twitter in einem Thread als Beweis, dass es grüne Blumen gibt.

Dies war selbstverständlich nur ein Gedankenexperiment. Aber genau so funktioniert Ideologie, ob sie nun grün ist oder nicht. „Wahrheit“ kann nach dem Verständnis von Ideologen nicht nur „dekonstruiert“ werden, sie kann auch konstruiert werden. Und das wird sie, Seite an Seite mit Propaganda. Was nicht passt, wird passend gemacht.

In den Medien kann man das beobachten, von Tag zu Tag mehr. Ob es der Linksaktivist mit dem erhobenen Arm als Beweis für Neonazis ist oder das spektakuläre Archivfoto, weil aktuelle Fotos die gewünschte Aussage nicht belegt hätten. Oder die Weitwinkelaufnahme von den ersten Reihen der „guten“ Demonstration, bei der man die übertriebenen Zuschauerzahlen laut Veranstalter nennt, während die “böse“ Gegenseite nur teilweise abgelichtet und mit den vorsichtigen Angaben der Polizei kommentiert wird. Oder man sucht die Fakten so geschickt aus, dass das gewünschte Bild scheinbar belegt wird, Fakten, die dagegen sprechen, werden dagegen nicht genannt.

Oder man jazzt die englischen Grünen, die ein paar Zehntel hinzugewonnen haben, zum relativ-prozentualen Wahlgewinner hoch, indem man nicht die Prozentpunkte, sondern den relativen Prozentgewinn betrachtet, der bei einer 2 %-Partei naturgemäß nur wenige Stimmen bedeutet. In Zeiten allgemeinen Bildungsverfalls dürften solche Versuche eher noch zunehmen, denn Zuschauern, die die Prozentrechnung sowieso nicht beherrschen, dürfte so etwas kaum auffallen.

Die Manipulationsmöglichkeiten sind vielfältig und allein selten spektakulär, die Masse macht es. Sie sind auch schwieriger zu entdecken als grüne Blumen – wer hat schon Zeit und Lust, alles nachzurecherchieren.

Aber viele grüne Blumen ergeben eine falschfarbige Wiese. Und viele kleine Manipulationen eine große Lüge. Wer Tag für Tag immer mehr Propaganda und einseitigem Framing ausgesetzt wird und sich die Mühe macht, dies zu durchschauen, der wird Stück für Stück zum Wutbürger, wenn er immer mehr Manipulation erkennt. Die Zeiten des Grundvertrauens in die Medien sind sowieso vorbei. Spätestens seit 2015.

 

3 Kommentare zu „Die Wiese der grünen Blumen

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