Lügenpresse in flagranti erwischt

Man kann es schon als Desinformation bezeichnen:


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Hätte der Autor dieses Beitrages in der „Welt“ auch nur einmal in den Kommentarbereich gesehen, hätte er sofort den Artikel löschen oder korrigieren müssen. Denn mehrere Leser wiesen darauf hin, was auch die Seite wahlrecht.de, die jeder Zeitung bekannt sein dürfte, bestätigt: die Umfrage wurde vom 28. November bis 4. Dezember durchgeführt, kann also vom am 6. Dezember  begonnenen Parteitag noch nicht beeinflusst worden sein.

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Man mag es noch als Fauxpas hinnehmen, dass ein solcher Artikel erscheint. Wenn er dann aber nach Hinweisen der Leser nicht gelöscht oder korrigiert wird, kann man das nur unter böswillige Manipulation verbuchen.

Denn hier ist nicht eine einzelne, isolierte Fakenews in einem Artikel, die immer mal wieder passieren kann, gemeint. Hier ist die zentrale Aussage des Artikels betroffen, die trotz besseren Wissens als Falschaussage stehen bleibt.

Über den Grund kann man nur spekulieren. Vielleicht, weil die AfD einen Prozentpunkt verliert und man diese bahnbrechende Nachricht unbedingt clickträchtig unters Volk bringen will, journalistische Sorgfaltspflicht hin oder her? Das wäre eine Manipulation, an die man sich ja fast schon gewöhnt hat. Nach meinen persönlichen Erfahrungen mit der „Welt“ befürchte ich eher, dass der Redakteur des Leserforums wegen der Veröffentlichung der entlarvenden Leserkommentare eins auf Dach kriegt, als der Autor des Artikels beziehungsweise der verantwortliche Redakteur, der ihn eingestellt hat. Oder wollte der Forummoderator der Redaktion eins auswischen?

Aber andererseits jammert man über „Lügenpresse“.

Update:  Die Clicks sind eingesammelt, der Seitenhieb gegen die AfD ist platziert. Jetzt, wo der Artikel von der Homepage verschwunden ist und unter „ferner liefen“ rangiert, kann man den Fehler zugeben. Dazu musste man nur in der Überschrift den Textteil “nach Parteitag“  entfernen. Der Seitenhieb gegen AfD und Linke bleibt.

Wie praktisch, dass sich online Artikel immer wieder anpassen lassen:

In einer ersten Version des Artikel hieß es, dass die SPD nach ihrem Parteitag hinzugewinnt. Allerdings wurde die Emnid-Umfrage vom 27. November bis 4. Dezember erhoben. Der SPD-Parteitag hingegen begann am 6. Dezember. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Tut mir leid, das überzeugt mich nicht. Ich schaue als politisch Interessierter fast täglich auf die Seite wahlrecht.de. Und da mich immer sehr interessiert, wie aktuelle Ereignisse auf die Umfrageergebnisse wirken, schaue ich zunächst nach, in welchem Zeitraum die Daten erhoben wurden. Mir kann niemand erzählen, dass ein professioneller politischer Journalist einer führenden Tageszeitung dies nicht mindestens ebenfalls tut.

Außerdem: Der erste Hinweis eines Lesers ging unmittelbar nach Veröffentlichung des Artikels ein. Er bekam bis jetzt, 13:30 Uhr, 375 Likes, ein hoher Wert, der die Aufmerksamkeit der Leser signalisiert. Die Änderung des Artikels erfolgte erst heute mittag um 12:10 Uhr, also etwa 10 Stunden nach der Veröffentlichung.

Hier der geänderte Ausschnitt:

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Es bleibt der Eindruck: Man manipuliert, wo es geht. Das geht schon mit den denkbar ungünstigsten Fotos von AfD-Politikern in Zeitungsartikeln los. Die wirken dann wie der Leibhaftige persönlich (Gauland), werden schräg von unten mit erhobener, grüßender Hand (Höcke) oder wie vom Tode gezeichnet (Curio) abgelichtet. Frauen werden bewusst unattraktiv fotografiert, im Gegensatz zu etwa Annalena Baerbock oder der Bundeskanzlerin. Wird man erwischt, entschuldigt man sich.

Genau dieselbe Linie hat die ARD gefahren, als bei einem TV-Statement eines AfD-Politikers zum O-Ton im Bild ein mehrere Sekunden langer Schwenk auf dessen Hosenschlitz gezeigt wurde. Auch da erfolgte eine laue Entschuldigung – nicht einmal öffentlich, sondern per E-Mail auf meine Beschwerde hin.

Eigenartig, solche „Fehler“ passieren immer nur in einer ganz bestimmten politischen Richtung. Ich habe noch nie erlebt, dass so etwas zuungunsten der Grünen passiert wäre.

Ein Kommentar zu „Lügenpresse in flagranti erwischt

  1. Das ist ja nicht der einzige Punkt in diesem Beitrag, der in meinen Augen eine Manipulation versucht. Auch das Wort „Prozentpunkte“ (Plural) gehört meiner Meinung nach dazu. Jeder unbedarfte Leser meint erst einmal, dass jede der beiden Parteien Punkte (Plural) verliert. es ist aber jeweils nur 1 Punkt.
    „Lügenpresse“ ist schon richtig.

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