Wie man Nazi wird

Wir sind von Nazis umgeben, jedenfalls wenn man den traditionellen Medien glaubt. Dresden (bzw. ein besonders humoriger Stadtabgeordneter einer dortigen Splitterpartei) hat sogar neuerdings den „Nazinotstand“ ausgerufen. Bezeichnenderweise wird dabei die Grenze, wer schon Nazi sei und wer „noch“ nicht, immer weiter nach links verschoben. Im Zweifelsfall ist der schon Nazi, der den Dogmen des Mainstreams, von der Buntheit über die EU-Fremdsteuerung bis zur Klimakatastrophe, widerspricht. Diese Begriffsausweitung ist letztendlich eine Verharmlosung des „1000-jährigen“ Unrechtsregimes, dessen Verbrechen in der Geschichte einzigartig sind. Aber die, die so agieren, nehmen diese Nebenwirkung inkauf.

Dabei gilt im politischen Meinungskampf: getrennt marschieren, vereint schlagen. Die gesamte Öffentlichkeit, Medien, Politik, NGOs, Wirtschaft, alle fördern und unterstützen sich gegenseitig. So können die Klimaapokalyptiker auf eine willfährige Zahl von Wissenschaftlern und Instituten zurückgreifen, die Politiker auf geschickte Statistiker und geneigte Politikwissenschaftler und die Medien auf steuerfinanzierte Umfrageinstitute und parteinahe Stiftungen. Auch Gerichte stimmen inzwischen in den Chor der Einflußagenten ein. Die Präsidentin des Verfassungsgerichtes Baer kam auf SPD-Ticket zu diesem Posten. Im Zweifelsfall kann man da auch ein wenig nachhelfen:

Man konnte in den letzten Tagen in gefühlt jedem zweiten Artikel in den traditionellen Medien, in dem Höcke eine Rolle spielt, lesen, dass dieser, gerichtlich bestätigt (!), ein Nazi sei. Dieses Narrativ wird nun so lange wiederholt, bis es im Bewusstsein der Öffentlichkeit festgeklopft ist. Als  Extremist wurde Höcke ja schon vorher dargestellt.

Allerdings hat das Gericht eben genau das nicht festgestellt. Es hat nur gesagt: Es ist von der Meinungsfreiheit gedeckt, Höcke als Nazi zu bezeichnen. Höcke kann also gegen diese Bezeichnung nicht klagen, er muß sie hinnehmen. Und das Gericht hat in der Begründung Punkte angeführt, warum man dieser Meinung sein könne. Es hat aber keineswegs eine Tatsachenfeststellung derart formuliert, dass Höcke ein Nazi sei.

Genau dies wird jedoch tagaus, tagein von Kleber bis Restle in den öffentlich-rechtlichen Medien, und auch in den privat verantworteten Zeitungen, gern auch als selektives Zitat aus Politikermund (zuletzt Mohring), wiederholt. Es sei gerichtsfest bestätigt: Höcke ist ein Nazi. Nein, Höcke „ist“ per Gerichtsbeschluss lediglich genauso „Nazi“, wie Claudia Roth oder andere Politiker das sind: man darf ihn bzw. sie im Rahmen der Meinungsfreiheit so bezeichnen. Dass diese Fehlinterpretation des Urteils kein Zufall ist, liegt auf der Hand.

Was Höcke betrifft, müßte man, um seine Einstellung beurteilen zu können, sein Buch lesen. Das habe ich noch nicht getan, werde dies aber sicher noch nachholen. Vorher jedenfalls werde ich mir kein endgültiges Urteil über diesen Mann anmaßen, denn was ich bis jetzt dazu in den hiesigen Medien an verzerrten Informationsbruchstücken einschließlich eines anmaßenden Interviews gelesen oder gesehen habe, kann man nicht unter „seriöse Informationsvermittlung“ verbuchen.

Und so lange ist Höcke für mich kein Nazi. Und schon gar nicht das knappe Viertel der Thüringer, die ihn mit der AfD gewählt haben. Ich bleibe bei dem vorläufigen Bild, das ich nach der Lektüre eines Interviews in der NZZ von ihm habe: ein Nationalromantiker, kein Nationalist, aber ein bekennender Patriot. Und kein „Nazi“.

Nachtrag: Zufällig (den Artikel habe ich erst jetzt gelesen) schrieb Henryk M. Broder gestern zum selben Thema in der „Achse des Guten“:

So viel „Antifa“ wie heute gab es noch nie. So viele „Faschisten“ und „Nazis“ auch nicht. Denn so gut wie jeder, der nicht mit den Ansichten der „Antifa“ übereinstimmt – „kein Mensch ist illegal“ –, der meint, dass ein Staat in der Lage sein müsste, seine Grenzen zu schützen, der die Massenzuwanderung nicht für einen Segen hält und die Europabegeisterung der kulturellen Eliten nicht teilt, der wird automatisch zu einem „Nazi“ und „Faschisten“ erklärt.

Ich bewundere Henryk M. Broder. Er hat noch Humor, wenn er mir schon längst vergangen ist.

Ein Kommentar zu „Wie man Nazi wird

  1. Für das Urteil zum Nachteil des Herrn Höcke finden wir doch einen wunderbaren Vergleich des in der heutigen Zeit gerichtlich Erlaubten. Klar, ich meine die von einem deutschen Gericht bestätigte zulässige Aussage zur Person der Frau Kühnast. Nur wird sie natürlich keineswegs von allen möglichen Medienvertretern derart verunglimpft. Kein normaler Mensch käme auf eine solche irre Idee.
    Im anderen Fall stört es Niemanden, im Gegenteil. Häme und Schadenfreude sind den Verkündern überdeutlich ins Gesicht geschrieben, zusätzlich zur falschen Wiedergabe.
    Welcher Schaden Deutschland dabei im Ausland zugefügt wird, wenn breite Bevölkerungsschichten diesen Blödsinn glauben, interessiert die Deutschlandabschaffe rnatürlich nicht die Bohne.

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