Die EU der Chefredakteure

Leser Pierre S. zu einem Artikel in der Welt, in dem acht europäische Chefredakteure ihre Meinung zur EU darlegen:

Alexis Brézet vom Figaro hat mit Abstand den realistischsten Blick, wenn er schreibt:

„Weniger Föderalismus, weniger Kommission, weniger Richtlinien, weniger multikulturelles Gutmenschentum, weniger dogmatischer Freihandel, weniger abstrakter Universalismus. Mehr Subsidiarität, mehr Europäischer Rat, mehr Demokratie, mehr Grenzen, mehr Schutz für unsere Industrie, mehr Achtung der Identität.“

Ihm geht es also um alles andere als um die „Zerstörung Europas“, wie im Wahlkampf allen unterstellt wird, die die EU nicht genauso lassen wollen wie sie heute ist, sondern darum, als überzeugter Europäer die anhaltende Dysfunktionalität aufzubrechen, die man sich in einer globalisierten Welt schlichtweg nicht mehr leisten kann.

Ulf Poschardt hält hingegen die infantilen Forderungen der „Fridays for Future“-Bewegung für richtungsweisend und zeigt damit unfreiwillig, wie weit es mit der Analysekompetenz im deutschen Jounalismus gekommen ist. Wie weit bei uns das linksgrüne Narrativ zur Normalität geworden ist, dass selbst Chefredakteure von konservativen Zeitungen überhaupt nicht merken, dass sie gerade pure Ideologie als logisches Denken verkaufen. Das ist genau das, was halb Europa wahnsinnig macht, wenn sie auf die Debatte in Deutschland blicken.

Europa ist nicht die EU, nicht in ihrem jetzigen Zustand. Die EU hat sich von den Bürgern abgewandt und jetzt wenden sich die Bürger von der EU ab – da bekommt mancher Panik, nicht nur in Brüssel. Die EU ist kein Selbstzweck. Gegen wirtschaftliche Zusammenarbeit, um den großen Playern Konkurrenz machen zu können, dagegen hat niemand etwas.

Die Eliten haben nicht verstanden, dass sie die EU nicht oktoyieren können, indem sie alle, die Vorbehalte haben oder Nachteile für sich selbst sehen, zu Europafeinden erklären. Denn die Eliten können sich den moralischen Altruismus leisten, bei Rückzugsimmobilien im Ausland und Diversifizierung des eigenen Vermögens in Dollar, Euro, Gold, Aktien, Anleihen, Fonds und Immobilien. Das einfache Volk nicht und es wird deswegen auch noch für moralisch minderwertig erklärt.

Dagegen entwickelt sich eine Wut, die in ihrer Dimension überhaupt noch nicht begriffen wurde. Idealistische Elitenprojekte gegen das Volk durchsetzen, dagegen haben sehr viele etwas. Brézet zeigt die Richtung, die man gehen muß, um die EU zu retten und damit Europa als Politplayer und Wirtschaftsraum konkurrenzfähiger, prosperierender und gerechter zu machen und als Kulturraum zu erhalten.

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