Zuviel der Ehre

Jugendkultur war auch immer Provokation. „Father … I want to kill you, mother, I want to fuck you“ (The Doors, „The End“) hat ja damals auch keiner ernst genommen. Allerdings gab es auch keinen „Echo“ dafür, wie ihn Kollegah bekommen hat.

Für mich ergibt sich die Frage nach dem Selbstverständnis dieses Rappers, der sich mit einem jüdischen Comedian aus Israel, Shahak Shapiro, und Kat K., einer jüdischen Autorin, zu einem auf YouTube veröffentlichten Interview traf.

Kollegah erläutert, dass das Beleidigen eine Kunstform sei und er nichts gegen Schwule oder Frauen habe (11:50). Und außerdem laufe das unter Kunstfreiheit. Er würde gegen alle Ethnien Punchlines setzen. Als er dann von Shapiro gefragt wurde (Kollegah ist konvertierter Moslem), ob er das denn dann auch gegenüber dem Islam in gleicher Weise formulieren würde, musste er zugeben, dass er das nicht tun würde. Da gebe es Grenzen (40:24).

Wenn also keine Sanktionen drohen, wenn Minderheiten und Religionen (Juden) beleidigt werden ohne Konsequenzen, dann ist es Kunstfreiheit. Wenn aber etwa eine Fatwa droht, dann hält man sich zurück.

Daß er sich mit diesem Doppelstandard lächerlich macht, scheint ihm nicht aufzufallen. Ein Wettkampf im Beleidigen, ohne jedes eigenes Risiko, an dem sich auch noch prächtig verdienen lässt, indem üble Ressentiments benutzt werden. Aber wenns kritisch werden könnte, sind auch für einen Kollegah die Grenzen erreicht. Angeblich aus Respekt, denn wenn es geschmacklos wird, dann habe das nichts mehr mit Humor zu tun.

Dann braucht er gar nicht erst den Mund aufzumachen: Die Geschmacklosigkeiten fangen da an, wo der Battlerapper beginnt, nicht erst da, wo er kneift, weil es ernst werden könnte. Die Spießermentalität, die er „nicht mehr hören kann“, verkörpert er selbst.

Die Echo-Jury scheint damit kein Problem zu haben. Einige Künstler haben ihre Preise zurückgegeben, das ist zu respektieren, aber eigentlich zuviel der Ehre.

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